Während der deutschen Ostkolonisation und des damit verbundenen verstärkten
Landesausbaus setzte in der zweiten Hälfte des 12. Jh. die Besiedlung des Erzgebirges ein. In
diesem Zusammenhang wurde am nordwestlichen Ausgang des Auer Talkessels in
unmittelbarer Nähe zur Zwickauer Mulde ein kleines Kloster errichtet.
Die erste urkundliche Erwähnung der Augustiner-Chorherren-Probstei erfolgte am 7. Mai
1173 durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf einem Hoftag zu Goslar. In der
Gründungsurkunde werden neben dem Kaiser als Schirmherren sowie mehreren geistlichen
Würdenträgern und weltlichen Feudalherren auch die Stifter und Schirmvögte des Klosters
benannt. Dies sind der Markgraf Otto der Reiche von Meißen, Meinherr von Werben auf
Hartenstein, Dudo von Meinweh auf Wildenfels und Bischof Udo zu Naumburg. Dem Kloster
wurden 60 Hufen (ca. 12 km²) Land übereignet. Dazu gehörten die Dörfer Zelle, Ober- und
Niederschlema, einige Güter und Fluren im Dorfe Zschocken und die "Sandwiesen" auf Auer
Flur. Mit diesem Vorgang war die erste Klostergründung im damals noch schwer
zugänglichen Westerzgebirge erfolgt. Die Zeller Probstei gehörte als Filialkloster zum St.
Moritz-Stift in Naumburg.
Das kleine Kloster wurden dem heiligen Andreas und der heiligen Dreifaltigkeit geweiht, die
Klosterkirche selbst der Jungfrau Maria. Heute noch ist die Kirche als rechteckiger Saalbau
mit Walmdach und barockem Dachreiterturm erhalten. Aus dem Jahre 1236 stammt das am
Ostgiebel des Kirchleins in den feuchten Putz geritzte und später mit Naturfarben
vervollständigte Putzritzbild. Es stellt das bedeutendste Kunstwerk der geistlichen Stätte der
romanischen Klosterkirche dar, das heute zu den kostbarsten Stücken des sächsischen
Kulturerbes gezählt wird. Zudem stellt es das wohl älteste und wertvollste Kunstwerk des
Westerzgebirges dar.
Das Wirken der Zeller Mönche erstreckte sich über die gesamte Umgebung. Ihre
Hauptaufgabe bestand in der geistlichen Betreuung der sich ansiedelnden Bauern. Großes
haben sie bei der Kultivierung der Region geleistet. Wahrscheinlich erfolgten auch die
Kirchengründungen in den benachbarten Orten vom Kloster Zelle aus.
Nach der Plünderung des Klosters durch aufständische Bauern im Jahre 1525 kam es zwei
Jahre später zur Auflösung desselben im Zuge der Reformation. Die Klostergebäude wurden
abgerissen. Nur die Kirche blieb bestehen und diente fortan als evangelische Gemeindekirche
des Dorfes Zelle. Als diese jedoch nach der 1897 erfolgten Eingemeindung Zelles in die Stadt
Aue und der daraufhin erfolgten Erweiterung des nunmehr neuen Auer Stadtteiles für die
wachsende Gemeinde zu klein wurde, kam es nach der Weihe der neuerbauten Friedenskirche
1914 zur Ablösung in der Funktion als Zeller Pfarrkirche. Der fast liebevoll klingende Name
"Klösterlein" wurde übrigens nach 1390 gebräuchlich und besteht offiziell bis zur Gegenwart.
Wer mehr zur Geschichte des Klosters erfahren will, dem sei die Broschüre "Klösterlein Zelle– Vergangenheit und Gegenwart" - leider vergriffen - empfohlen. Über Sanierung und Funde in der Turmkugel
berichtet die Broschüre "Zeitzeugen". Gegen eine Spende von 2,50 EUR je Exemplar können
diese Publikationen über den Förderverein bezogen werden.